Decretum - Requiem for my Snow

Angefangen hat alles mit einer zu viel redenden, naiven, nervenraubenden Klassenkameradin von mir.
Über sie kam ich zu der arroganten, besserwisserischen Dame aus gutem Haus.
Und über die kam ich zu dir.

Wir verstanden uns auf Anhieb ziemlich gut, und es wurde mit jedem Treffen noch besser.

Du warst sehr still, und ich sehr jähzornig.
Irgendwie haben wir es dennoch geschafft, Gute Freunde zu werden.

Unsere Wertvorstellungen waren schon immer uneins, unsere Persönlichkeiten hätten nicht mehr verschieden sein können.
Trotzdem wurden wir irgendwann Beste Freunde.

Unsere ersten Freunde, die ersten Liebschaften, die ersten richtigen Arbeiten, die ersten eigenen Wohnungen. All das haben wir miteinander geteilt.

Wir haben ALLES miteinander geteilt.

Freunde, Bett, Badezimmer...

Unsere Leben waren miteinander verwoben, keiner von uns hätte sich vorstellen können, ohne den anderen zu sein.
Stärker als jede Liebesbeziehung.

Rat und Tat, jederzeit, jederorts.
Zwei Seiten der gleichen Medaille.

Bis sich dann... alles änderte. Langsam, schleichend.

Unsere unterschiedlichen Weltanschauungen, unsere unterschiedlichen Persönlichkeiten, unsere unterschiedlichen Wertvorstellungen...

Es waren zu viele Differenzen.
Vielleicht Missverständnisse.
Vielleicht unabänderbar.

Vielleicht haben wir uns zu wenig Mühe gegeben.
Oder zu viel.

Mit aller Kraft habe ich daran festgehalten, wie ein Ertrinkender nach einem Strohhalm.
Du warst mein Strohhalm.
Und ich habe mich so sehr festgehalten.
Habe mir Mühe gegeben, unser zerrüttetes Bildnis noch irgendwie zusammenzuhalten...

Doch die Teile fielen auseinander.
Unaufhaltbar.
Bis nichts mehr übrig war.

Und dann gingst du weg.
Nicht einmal Auf Wiedersehen hast du mir gesagt.

Ich stehe vor dem Scherbenmeer, das einst unsere Freundschaft war.
Tränen fallen darauf.
Viele, viele Tränen, immer wieder.

Schon komisch, zu einem Metal-Song zu heulen.
Aber es ist nunmal "unser Lied".
Keine noch so traurige, melancholische oder dramatische Melodie trifft mich tiefer als dieses wilde, schlagzeuglastige Lied.

Wäre ich philosophisch, könnte ich mich besser ausdrücken.

Es tut weh.
Es schmerzt, es beißt, es lässt mich nicht los.
Vor zwei Wochen bist du gegangen, und ich hab nicht mal gewusst, wann genau.
Nicht einmal verabschiedet hast du dich, verdammt!

Ich sehe diese kitschige Kette an, die ich uns gekauft hatte.
"Friends Forever".
Sie hing bis heute an meiner Wand.
Ein Hoffnungsschimmer.
Meine Hoffnung, dass uns doch wieder irgendetwas, irgendwo, irgendwie zusammenführen wird.
Unser Bildnis zusammenklebt.
Und mir meinen Strohhalm wieder zurückgibt.

Doch jetzt...

Eine leere Wand.
Ein leeres Herz.

Ich hatte noch nie großes Vertrauen in die Menschen um mich herum.
Durch dich hatte ich das Gefühl, doch wieder etwas Licht in der dunklen Masse um mich herum wahrzunehmen.
Gab Menschen eine Chance.

Und jetzt ist mein Licht erloschen.
Wieder ist alles in Dunkelheit getaucht.
Ich kann nichts sehen, stehe still.

- - - - -

Doch jetzt reicht es.
Lange genug habe ich gehofft, gewünscht, getobt.
Ich bin es Leid.
Es ist nicht meine alleinige Aufgabe, dieses Bildnis zusammenzufügen.
Besonders nicht, wenn du jedesmal wieder einen Stein dagegenwirfst, wenn ich ein kleines Stück fertig habe.
Ich bin es so Leid, Puzzle zu spielen, mit dem, was einst wir waren.

Deine Entscheidung, einfach zu gehen, macht es mir hoffentlich leichter.
Ein eindeutiges Signal, was du von unserem kaputten Bildnis hältst;
es ist dir egal.
Es schert dich nicht.
Zu egoistisch deine Ansicht, dass ich dich ja nicht verstehe.
Zu egoistisch der Gedanke "Ich will aber".
Zu egoistisch, um zu sehen, was du mir damit antust.

Einfach abhauen?
Alles hinter dir lassen?

So sei es!

Ich werde meine Hoffnungsschimmer begraben.
Die Kette, das Bild, die ganzen Kleinigkeiten, die für mich keine waren.
Begraben.
Damit sie zu dir passen.

Denn du bist für mich gestorben.

12.3.14 23:47

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